Bär Tiger Wolf im Theater

Nicht Peter und der Wolf, sondern Bär Tiger Wolf eröffnet einen neuen visuellen Zugang zu klassischer Musik. Bereits zum zweiten Mal zeichnen Johannes Flick und Michael Böttler für die Animationen einer Multimedia-Inszenierung des PODIUM Festivals Esslingen verantwortlich. Der Titel: Szenen der Frühe.
Drei Fragen an die beiden:

Es war nicht Euer erstes „Theater meets Animation“-Projekt. Was hat Euch gereizt, es noch einmal zu tun? ;)

Johannes: Die Wirkung der Animation auf einer Bühne in Interaktion mit Tänzer, Musikern und Schauspieler hat eine ganz andere Wirkung als eine simple Kinoleinwand, auf der ein Film läuft. Diese weiter zu erforschen finde ich sehr interessant – gerade auch im Hinblick auf räumliche Projektionen oder das sogenannte „Projection Mapping“, bei der Animationen auf Gegenstände projiziert werden. Der künstlerische Prozess bei „strawinsky:animated“, das erste Projekt zusammen mit dem Regisseur Daniel Pfluger und dem Podium Festival, war damals sehr spannend und auch nervenaufreibend, einiges lief auch nicht ideal und ich war gespannt ob wir es mit den Erfahrungen dieses Mal besser machen können.

Michael: Theater ist einfach die beste und ursprünglichste Art, Geschichten zu erleben: als würde man in der Steinzeit am Lagerfeuer sitzen und dabei sein, wie einer mit vollem Einsatz erzählt und singt, andere machen dazu Musik und den Hintergrund bilden vielleicht Höhlenmalereien von Bären, Säbelzahntigern und Wölfen ;-). Theater ist Teil der Kunst, der wohl höchsten Form der Unterhaltung. Und noch dazu etwas Einmaliges. Wenn die Aufführung vorbei ist, ist sie vorbei, und sie wird sich nie wieder exakt so wiederholen. Ist doch ein tolles Konzept in einer Zeit, in der alles immer verfügbar sein muss. Und wenn ich, inmitten eines tollen Teams, dazu ein paar bewegte „Höhlenmalereien“ beitragen kann, freut mich das natürlich.

 

podium_story

Was war die größte Herausforderung im Projekt?

Michael: Die Projektion auf Horizontale und Vertikale gleichzeitig, bei der man sich bei zu viel Überlegen leicht das Hirn ausrenken kann. Und manchmal wurde auch die Musik eine Herausforderung – denn beim Animieren hört man eben immer und immer wieder dieselben Parts bis zum (Fast-)Wahnsinn :-D.

Johannes: Das enge Zeitfenster kombiniert mit einem sehr kleinen Budget. Vieles konnten wir durch eine sehr genaue Vorplanung und Konzeption der Animationen diesmal besser machen und Zeit einsparen, trotzdem blieb es eine große Herausforderung bis zum Schluss. 50 min Animationen sind einfach eine Menge. Auch technisch waren die Anforderungen dieses mal komplexer, da mit nur einem Projektor verschiedene Flächen zB. der Bühnenboden, ein Gaze-Vorhang und auch die Rückwand mal abwechselnd, mal gleichzeitig bespielt werden sollten.

podium_story

Gibt es eine Stelle im Stück, die für Euch zu einem persönlichen Highlight geworden ist?

Johannes: Es gibt einen wunderbaren Wechsel vom zeitgenössischen Stück „Stainless Staining“ (Donnacha Dennehy) zu einem Lied Robert Schumanns. Zuerst wird man von 15 Minuten lang von hart hämmernden Klaviertönen, einer sehr immersiven Animation und Choreographie fast hypnotisiert, dann geht die Musik nahtlos in das Schumann-Lied über. Die Wirkung finde ich erstaunlich und gewaltig. Hier werden die tiefen Abgründe, jauchzende Freude und manische Getriebenheit Schumanns erlebbar – sowohl musikalisch als auch visuell.

Michael: Musikalisch mag ich das „In modo d’una marcia“ am liebsten. Es hört sich an, als würde man Frodo vom Auenland nach Mordor begleiten… „Stainless“ ist aber sicher das ganz große Highlight: mehr als ein Feuerwerk, es ist eine visuelle Kernschmelze.

 

SZENEN DER FRÜHE ist eine Kopproduktion des Heidelberger Frühlings mit dem PODIUM Festival Esslingen. Der künstlerische Leiter Steven Walter und Regiesseur Daniel Pfluger nehmen den Zuschauer mit hinein in die Biographie von Robert Schumann. Sie zeigt seine bipolaren Extreme, die ihn sowohl musikalisch als auch emotional bewegten, und transportiert diese in die Gegenwart. Dabei verschmelzen Schumanns Musik, die Animation in Form einer räumlichen Projektion und die Performance des Tänzers Davidson Jaconellos zu einem Gesamtkunstwerk.

podium_1
podium_2
podium_3
podium_4
podium_5
podium_6
podium_7
podium_8
podium_9
podium_10
podium_11
podium_12
podium_13
podium_14
podium_15

(Fotos aus der Generalprobe: studio visuell)

Einen Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit einem * markiert.